Igelgeschichte
Kinderrat
6 bis 12 Jahre
Igeln im Friedersdorfer Kinderrat
Seit 2021 entscheidet der Kinderrat Friedersdorf mit dem Igeln. Projektleiterin Elisa Hempel erzählt, warum sie gleich mit „Demokratie 2.0“ angefangen haben – und warum der Mund auch mal ’ne Pause braucht.
Ein Bericht von Elisa Hempel, Projektleitung, August 2023
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Der Kinderrat Friedersdorf mischt seit 2021 die Gremien der „Großen“ in der Gemeinde Markersdorf in der Oberlausitz auf. Elisa Hempel und Beate Büchner leiten das Projekt. Der Kinderrat ist ein offenes Angebot für alle Kinder des Ortes zwischen 6 und 12 Jahren und trifft sich regelmäßig.
„Wir wollen die Kinder ermutigen, sich in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld einzubringen mit Ideen, Kritik und Vorschlägen, und stellen den Kontakt zu den Erwachsenen her“, schreibt Elisa Hempel. „Vor Ort setzen wir Projektideen von und mit den Kindern um und versuchen immer wieder, mit Witz und Spiel kommunalpolitische Grundlagen zu vermitteln, ohne dabei die Kinder allzu sehr an Schule zu erinnern.“
Wenn schon Demokratie, dann gleich 2.0
Die Kinder sollen erleben: Wenn alle etwas anderes wollen, ist es gar nicht so einfach, eine Lösung für alle zu finden. Deshalb üben die beiden mit ihnen Geduld, friedliches Diskutieren und den Weg zu einer Gruppenentscheidung. Eines der Werkzeuge dafür ist das Systemische Konsensieren, das die Kinder als „Igeln“ kennen.
„Wir haben die Methode gleich am Anfang aus eigener Überzeugung eingeführt, denn wir dachten: Wenn schon Demokratie, dann gleich Demokratie 2.0.“ Die Kinder kannten vor allem den Mehrheitsentscheid aus der Schule. Sie zeigten sich aber interessiert und übernahmen die Methode schon nach kurzer Zeit wie selbstverständlich. Die drei Handzeichen – Hand aufs Herz, ein Arm nach vorn, beide Arme abwehrend nach vorn – fordern sie bei offenen Fragen inzwischen oft von ganz allein ein.
Der Mund braucht auch mal ’ne Pause
Die Jüngeren hatten die Gesten schnell verstanden, und den Älteren war es nie peinlich. Emelie, sechs Jahre alt und Kinderrätin, mag besonders, dass beim Igeln niemand reden muss:
„… und dass man nicht gleich den Mund bewegt, denn der Mund braucht auch mal ’ne Pause.“
Sonst, so Emelie, plappern alle durcheinander rein, „ich bin dafür, nein, nein, nein“ – „denn dann ist es ganz verwirrt. Das find ich nicht schön.“
Die Passivlösung gehört immer dazu
Ein paarmal haben die Projektleiterinnen die Passivlösung vergessen, seitdem achten sie in jeder Igelrunde besonders darauf. Sie zeigt den Kindern und den Erwachsenen, ob eine Frage überhaupt schon „reif“ und eine Entscheidung nötig ist. Es kam sogar schon vor, dass sich die Kinder gewünscht haben, dass die Erwachsenen für sie entscheiden.
Eine gemeinsame Entscheidung
„Beim Igeln haben wir bisher kaum enttäuschte Gesichter gesehen“, schreibt Elisa Hempel. Stattdessen sieht sie Entscheidungsfreude, positive Aufregung bei jeder Abfrage und einen Zusammenhalt, der nicht vom Ergebnis der jeweiligen Igelrunde abhängt. „Es scheint für die Kinder ganz selbstverständlich zu sein, dass die Entscheidung jedes Mal nicht nur ihre ist, sondern ihre gemeinsame.“
In der Gemeinde Markersdorf sollen weitere Kinderräte wachsen. Die beiden möchten das Igeln an die Projektleitungen in den Nachbarorten weitergeben.
Den ganzen Bericht von Elisa Hempel mit den Förderhinweisen der Partnerschaft für Demokratie finden Sie im PDF.
Steckbrief
Wer
Kinderrat Friedersdorf, Gemeinde Markersdorf (Oberlausitz)
Wo
offenes Angebot für alle Kinder des Ortes
Alter
6 bis 12 Jahre
Seit wann
2021, Igeln von Anfang an
Tipp
Die Passivlösung nie vergessen
Fragen Sie jedes Mal auch: Was passiert, wenn wir nichts beschließen? So sehen alle, ob die Frage schon reif ist.
„Wenn alle etwas anderes wollen, ist es gar nicht so einfach, eine Lösung für alle zu finden.“
Was die Kinder erleben sollen, sagt Elisa Hempel
Sie igeln schon?
Erzählen Sie mir Ihre Geschichte. Ob es gut lief oder holprig war: Jede Geschichte hilft anderen beim Anfangen.



