
nichts dagegen

ein bisschen dagegen

viel dagegen
Wie geht Igeln?
Igeln ist Systemisches Konsensieren® für Kinder. Statt zu fragen, wer dafür ist, wird gefragt: Sträubt sich da was bei dir? Das verstehen schon die Kleinsten, und es funktioniert im Morgenkreis genauso wie im Klassenrat.
Was ist Igeln?
Systemisches Konsensieren für klein & groß
„Hast du Widerstand – und wenn ja, wie viel?“
Beim Igeln werden keine Mehrheiten gebildet. Gewählt wird der Vorschlag, gegen den es den geringsten Widerstand gibt und mit dem alle am besten leben können.
Dahinter steckt das Systemische Konsensieren. Es stammt aus Österreich und hilft seit über 20 Jahren, von der Kita bis zur Gemeindepolitik, tragfähig zu entscheiden, auch über Hierarchien hinweg. Zentral sind die Widerstände und Bedenken. Klingt paradox? Funktioniert erstaunlich gut: Es stärkt den Zusammenhalt und bringt oft neue Lösungen hervor.
Mehr zum Systemischen Konsensieren auf konsenslotsen.de →Das 1×1 zum Igeln
Wie geht es mir, wenn wir diesen Vorschlag so umsetzen?


Hände an die Brust:
Dieser Vorschlag pikst nicht. Der Igel erhält keine Stacheln.


Eine Hand nach vorn:
Dieser Vorschlag pikst ein bisschen, aber okay. Der Igel erhält einen Stachel.


Beide Hände nach vorn:
Dieser Vorschlag pikst sehr. Der Igel erhält zwei Stacheln.
Warum heißt es Igeln?
Eine Erzieherin lernte das Systemische Konsensieren bei einer Fortbildung der Konsenslotsen kennen. Zurück in ihrer Kita dachte sie an den Igel: Er stellt die Stacheln auf, wenn ihm etwas nicht passt. Das Bild verstehen schon die Kleinsten, und es hilft sogar Erwachsenen beim Umdenken: Statt die Hand für den Lieblingsvorschlag zu heben, streckt man sie abwehrend von sich weg und zeigt so zu jedem Vorschlag, wie viel Widerstand man spürt. Bald holten die Kinder ihrer Gruppe das Steckbrett selbst aus dem Regal, wenn eine Entscheidung anstand.
Die ganze Geschichte
Da sträubt sich was
Wie das Igeln in einer Kita entstanden ist. Erschienen in „Betrifft KINDER“, 2018.
Artikel lesen (PDF) →So geht es
In fünf Schritten zur gemeinsamen Lösung
Systemisches Konsensieren lässt sich vielfältig einsetzen. Dieser Ablauf ist für Kinder gemacht.
Überlegungen im Vorfeld: Überlegen Sie vorher, worüber die Kinder mitentscheiden dürfen. Zum Beispiel: Sind Vorschläge erlaubt, bei denen Kinder ausgeschlossen werden? Von wann bis wann darf der Ausflug gehen? Es frustriert Kinder sehr, sich einzubringen und dann zu erleben, dass ihre Idee den Rahmen sprengt. Oft reicht es, zu sagen, dass Sie die Vorschläge noch prüfen. Und: Fragen Sie nur, wenn Sie mit jeder Antwort leben können.

Offene Frage stellen
Die Frage steckt den Raum ab, den die Kinder mit Ideen füllen. Fragen Sie offen statt mit Ja oder Nein oder Entweder-oder: statt „Spielen wir Fußball oder Basketball?“ lieber „Was spielen wir?“, statt „Wollen wir einen Ausflug machen?“ lieber „Was machen wir an unserem freien Tag?“ So kommen neue Ideen auf den Tisch, und niemand streitet in zwei Lagern.

Rahmen setzen
Teilen Sie den Kindern die Rahmenbedingungen mit, die Sie sich vorher überlegt haben und die sie kennen müssen, um gültige Vorschläge zu machen.

Vorschläge sammeln
Jeder Vorschlag, der in den Rahmen passt, kommt auf die Liste. Je nach Thema sammeln Sie sofort, oder Sie lassen sich und den Kindern etwas Zeit. Vorschläge dürfen sich gegenseitig zu neuen, besseren anregen. Wie viele Vorschläge die Kinder überblicken, schätzen Sie selbst ein.

Die Nix-tun-Möglichkeit dazunehmen
Immer auf die Liste gehört die Passivoption: Was passiert, wenn alles bleibt, wie es ist, oder nichts Neues entschieden wird? Je nach Situation heißt das: Die Aktion fällt aus, oder Sie entscheiden als Erwachsene allein. Wenn die Familie kein gemeinsames Ausflugsziel findet, entscheiden dann die Eltern allein über das Ziel, oder fällt der Ausflug aus? Überlegen Sie vorher, welche Passivoption für Sie tragbar ist, auch wenn Sie eine Änderung bevorzugen. Sie bringt klare Sicht, zeigt, welche Vorschläge besser abschneiden als Nix-tun, und schützt vor dem Eindruck, Veränderung sei immer gut.

Igelstacheln zeigen und zählen
Zu jedem Vorschlag zeigen alle, wie viel Widerstand sie spüren: Hand aufs Herz heißt keine Stacheln, eine Hand nach vorn ein paar Stacheln, beide Hände nach vorn alle Stacheln hoch. Ältere Kinder zeigen 0 bis 5 oder 0 bis 10 Finger. Die Skala beginnt immer bei Null, Begeisterungspunkte gibt es nicht. Wir wollen ja herausfinden, wo es pikst. Am Anfang hilft es, alle nacheinander zu fragen, es geht auch anonym. Malen Sie die Stacheln auf oder stecken Sie Stäbchen ins Steckbrett, so dass alle das Ergebnis sehen. Der Vorschlag mit den wenigsten Stacheln wird umgesetzt. Hohe Widerstände können Sie, je nachdem, wie viel Zeit Sie haben, gemeinsam erforschen, ein Veto sind sie nicht. Zeit für Austausch über Wünsche oder Sorgen planen Sie ein, wo es Ihnen sinnvoll erscheint.

Fertig! Viel Spaß bei der Umsetzung.
Und: Schreiben Sie mir unbedingt von Ihren Erfahrungen, und zögern Sie nicht, Fragen zu stellen: kontakt@igeltraum.de
Tipps aus der Praxis
Wie führen Sie es ein?
Das hängt vom Alter ab. Die Tipps stehen dort, wo Sie sie brauchen.
Katharina Springer über die starken Widerstände einer Kollegin
Was Kinder lernen
Wer Widerstand zeigen darf, bringt sich ein.
„Beim Igeln haben wir bisher kaum enttäuschte Gesichter gesehen, stattdessen beobachten wir bei den Kindern Entscheidungsfreude […] und einen Gruppenzusammenhalt, der nicht vom konkreten Ergebnis der jeweiligen Igelrunde abhängt.“
Elisa Hempel, Kinderrat Friedersdorf
Und jetzt?
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Igeln in der Kita
Im Morgenkreis, beim Draußentag, im Streit: Alltag, Argumente für Ihr Team und Bildungspläne.
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Igeln in der Schule
Vom Klassenrat bis zur Projektwoche: Geschichten, Argumente und Angebote.
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